Comint-Out
UniGay - Der Verein der Lesben und Schwulen an der Universität St.Gallen (HSG)

F: Wozu braucht es überhaupt ein Coming-Out? Ich identifiziere mich nicht über mein Schwul sein. Ich laufe ja nicht mit einem Schild "Hallo. Ich bin schwul" durch die Gegend. Heteros müssen sich ja auch nicht outen.

Ein Coming-Out ist überall dort sinnvoll, wo man zu einer Minderheit gehört, aber nicht automatisch als solche Erkannt wird. Angenommen ein Hetero besucht mit Kollegen eine Schwulenbar und kommt dort mit andern ins Gespräch, so ist es früher oder später auch sinnvoll, dass er sich als hetero "outet".

An der HSG ist es genau umgekehrt, wir werden alle automatisch als hetero eingestuft, auch wenn wir nichts dazu beitragen. So werden wir automatisch in eine Rolle gedrängt, die uns einen offenen Kontakt zu unseren Kommilitonen zuweilen stören kann. Wer kennt nicht die Lügen und Ausreden auf die Frage "wo warst du im Ausgang?", "Was hast du gestern gemacht?", "Wie findest du die Blonde dort?". Alles Kleinigkeiten, die einer wirklich guten Freundschaft aber oft im Wege stehen.

Das Coming-Out selbst bezeichnet vor allem den inneren Vorgang, zu sich selbst stehen zu können. Wenn dieser gewaltige Schritt einmal vollständig geschafft ist, so ist auch das outen gegen Aussen wesentlich einfacher. Trotzdem ist ein Coming-Out ein langwieriger Prozess und jeder von uns war oder ist dabei auf die Hilfe von Kollegen und Freunden angewiesen.

F: Ist ein Coming-Out an der HSG überhaupt sinnvoll? Werden Schwule hier akzeptiert? Ich habe keine Lust als Schwuchtel abgestempelt zu werden.

Wie stark du dich selbst mit deiner Homosexualität identifizierst, hängt grundsätzlich von dir selber ab. So wirst du auch von deinem Umfeld wahrgenommen. Allein die Tatsache, dass du geoutet bist, wird deine Akzeptanz unter den Studierenden kaum beeinflussen. Und mit einer Prise Humor wirst du auch die eine oder andere Anspielung (die ja meist nicht böse gemeint sind) verkraften.

Sinnvoll ist ein Coming-Out deshalb, weil die Uni während der Studienzeit einen wichtigen Teil des sozialen Lebens ausfüllt. Seien dies Vorlesungen, gemeinsame Übungen, Parties oder Wochenendaktivitäten. Dadurch dass du gegenüber deinen Freunden offen bist, werden sich deine Beziehungen verbessern und es wird dir leichter fallen auch über Dinge zu sprechen, die dir wichtig sind und die du sonst vielleicht für dich behalten würdest. Dieser Aspekt wird häufig unterschätzt.

F: Wie sieht es aus mit meiner Karriere? Lohnt es sich überhaupt zu studieren, wenn ich mir dann mit einem Coming-Out meine Zukunftschancen verbaue? Schwule haben immer noch schlechtere Chancen eine Stelle zu bekommen.

Dass ein Coming-Out schädlich für die Karriere ist, bleibt zu beweisen. Klar kann es in deiner Karriere homophobe (schwulenfeindliche) Personen geben, die dich deswegen diskriminieren, wie wenn du zum Beispiel übergewichtig oder hässlich wärst. Eine Karriere wird dir deswegen aber sicher nicht verunmöglicht. Auf der anderen Seite gibt es auch Leute, welche selbst schwul sind und dich vielleicht gerade deswegen unterstützen. Nichts macht solidarischer, als gemeinsam zu einer Minderheit zu gehören. So gibt es auch einen Verein "Network", der nur aus schwulen Führungskräften aus Politik und Wirtschaft besteht. Wieso nicht das Vitamin B mit ein bisschen Vitamin G ergänzen?