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Interessantes
UniGay - Der Verein der Lesben, Schwulen und Bisexuellen an der Universität St.Gallen (HSG)
Er liebt ihn
erschienen im St.Galler Tagblatt am 11. Mai 2007
Ivo Lampart und Franz Stucki sind seit 17 Jahren
zusammen: Am 1. Mai haben sie sich «verpartnert»
Seit Anfang Jahr können sich schwule und lesbische Paare
auf dem Zivilstandsamt eintragen lassen. Lange haben
Homosexuelle für dieses Recht gekämpft. Die Freude «am
schönsten Tag des Lebens» ist jetzt umso grösser.
KATJA FISCHER
Drei schwarze Stühle an einem grauen Tisch, darauf ein
Becher mit zwei Kugelschreibern, im Hintergrund das Klappern von Computertastaturen: Das
Zivilstandsamt im 12. Stock des St. Galler Rathauses ist ein nüchterner und geschäftiger Ort. Für
Romantik bleibt nicht viel Raum. Den beiden schwulen Männern Ivo Lampart und Franz Stucki ist das
recht. Nach 17-jähriger Partnerschaft benötigen sie keine grosse Zeremonie mehr. Sie werden ihre
Partnerschaft an diesem strahlenden 1. Mai ohne Gäste, ohne Blumen und ohne Ringe eintragen lassen.
Möglich ist dies erst seit dem 1. Januar 2007 mit dem Inkrafttreten des neuen Partnerschaftsgesetzes.
Papierkrieg statt Zeremonie
In dunklen Anzügen und farblich aufeinander abgestimmten Krawatten sitzen die beiden Herren dem St.
Galler Zivilstandsbeamten Willy Zimmermann gegenüber und sind nervöser, als sie es sich eingestehen
wollen.
Es gilt zuerst einmal viel Papierkram auszufüllen. «Das Vorverfahren läuft gleich wie bei einer
Ehevorbereitung ab», erklärt Zimmermann. Die Paare können zudem selber wählen, ob sie eine
feierliche Zeremonie wünschen oder nur den bürokratischen Akt. Dabei spiele es kein Rolle, ob es sich
um homo- oder heterosexuelle Paare handle. «Es geht immer um zwei Menschen, die sich lieben.» Von
den zehn homosexuellen Paaren, die sich seit dem 1. Januar in St. Gallen eintragen liessen, wählten
jedoch nur vier die feierliche Variante.
Gleiche Rechte
Inzwischen haben Franz Stucki und Ivo Lampart die Papiere ausgefüllt. Nach knapp 15 Minuten, zwei
Unterschriften und einem Klick am Computer ist es amtlich: Franz Stucki und Ivo Lampart leben ab
sofort in eingetragener Partnerschaft. «Eigentlich keine grosse Sache», meint Ivo Lampart. Morgen
erwache er aber etwas ruhiger. Ruhiger, weil nun viele Dinge einfacher werden. Pensionskasse,
Lebensversicherung, Witwerrente und Erbrecht ist bei Stucki und Lampart nun gleich geregelt wie bei
Ehepartnern. Bislang hätten sie die meisten Dinge auch so hingekriegt, seien aber immer auf das
Wohlwollen Dritter angewiesen gewesen, sagt Lampart. Zum Beispiel, als Ivo Lampart im Spital lag.
Theoretisch hätte das Personal Franz Stucki das Besuchsrecht verweigern können.
Als sie mit der Partnerschaftsurkunde das Zivilstandsamt verlassen, wünscht ihnen eine Mitarbeiterin
einen schönen Tag. «Den werden wir bestimmt haben, zusammen mit unseren Freunden beim Fest auf
dem See», antwortet Ivo Lampart und strahlt übers ganze Gesicht.
Schwuler Professor
Feierlich und mit vielen Gästen «verpartnerte» sich Thomas Geiser am 5. Januar. Stolz zeigt der
Rechtsprofessor und ehemalige Prorektor der Universität St. Gallen Fotos von der Zeremonie. Seit 27
Jahren ist er mit seinem Partner zusammen, es brauchte aber erst eine Volksabstimmung, bis ihre
Partnerschaft rechtlich anerkannt wurde. Geiser hat selbst an der Ausarbeitung einzelner Paragraphen
mitgewirkt und sich aktiv für das Partnerschaftsgesetz eingesetzt. Hätte das Schweizer Volk das Gesetz
abgelehnt, wäre für ihn eine Welt zusammengebrochen. «Ich hätte mich als Fremder im eigenen Land
gefühlt», sagt er.
Die Zustimmung basiert auf einer Reihe von Kompromissen. «Das Gesetz musste mehrheitsfähig sein»,
erklärt Geiser. So gibt es bei einer Eintragung kein Ja-Wort, die Partner können amtlich nicht den
gleichen Namen tragen, und homosexuelle Paare dürfen ausdrücklich keine Kinder adoptieren. Das
Gesetz sei aber trotzdem ein Meilenstein, sagt Geiser. «Es verändert etwas in den Köpfen der
Menschen.»
© 1997–2007 St.Galler Tagblatt – eine Publikation der Tagblatt Medien,
veröffentlicht mit der Genehmigung von Katja Fischer
Von Karrieren, Doppelleben und Coming Outs
erschienen im Prisma Nr. 283 (Januar 2003) zum Thema "Alter Ego"
Alter Ego, das "zweite Ich", muss nicht eine dunkle Seite sein, im Gegenteil, manchmal ist es sogar ziemlich rosig. Prisma traf sich am Morgen des 24. Dezembers im Odeon in Zürich mit Roman und Roy, Studenten der Universität St. Gallen, die beide geoutete Mitglieder von Unigay sind, und geduldig Rede und Antwort standen.
prisma: Ihr zwei seid im Vorstand von Unigay. Was macht Unigay?
Roy: Ziel ist es, eine Plattform für schwule und lesbische Studenten zu bieten. Letztlich sind unsere Anlässe eine Möglichkeit, Gleichgesinnte kennen zu lernen. Wir beschränken uns auch bewusst darauf.
prisma: Was hat Euch dazu bewegt, Vorstand zu werden?
Roman: Überredet worden (lacht).
Roy: Man wird halt von Leuten angefragt, die demnächst ihren Abschluss machen, ob man ihren Job übernehmen möchte. Für mich war dieser Verein sehr wichtig, als ich an die Uni kam – er war wirklich eine Plattform für mich. Ich habe soviel von diesem Verein profitiert – viele Freunde, schwule Kontakte, bei meinem Coming-Out wurde ich unterstützt – dass ich mich verantwortlich fühle, etwas für die nächste Studentengeneration zurückzugeben. Ich finde es eine gute, wertvolle Sache, auch wenn man denken könnte, dass man so was heutzutage nicht mehr brauche – schliesslich gibt es genügend Vereine, Bars und Clubs in der ganzen Schweiz. Aber dem ist nicht so: Es gibt viele, die die geschützte Atmosphäre eines Uni-Vereins schätzen und brauchen - zumindest am Anfang.
prisma: Wäre es nicht die Aufgabe von Unigay, für Präsenz und Akzeptanz zu sorgen, damit schwule und lesbische Studenten nicht mehr das Gefühl haben, sie müssten sich verstecken? Kann das so erreicht werden?
Roman: Das ist genau die Überlegung, die ich gemacht habe. Ich habe auch an der Vereinsinfobörse am Stand gestanden; ich bin überhaupt nicht mit der Illusion hingegangen, dass sich irgendjemand melden würde. Ich habe eher gedacht, dass wir dastehen, etwas trinken und es lustig haben würden.
prisma: Und, ist jemand gekommen?
Roman: Nein, niemand, ausser Friends, Kollegen… und ein paar Hetis, z.B. ein paar vom AC, die uns gesagt haben, sie fänden es eine geniale Sache, dass wir uns nicht mehr verstecken würden. Das hat uns natürlich sehr gefreut. Für mich war genau dies der Hauptzweck der Vereinsinfobörse: mehr Präsenz. Es stellt sich eben immer das Problem, dass es ziemlich viele Leute gibt, die noch nicht geoutet sind, nicht geoutet sein wollen oder mit sich selbst noch nicht im Klaren sind. Wenn man dann einen Stand oder sogar einen Kreuzstamm (zwei Vereine veranstalten zusammen einen Stamm) machen will, kommen vielleicht ein paar Nasen von uns.
prisma: Ist Homosexualität ein Nachteil für die Karriere?
Roy: Ich glaube es nicht - nicht mehr.
Roman: Ich glaube, es kommt darauf an, wo du arbeitest. Ich würde einfach nirgendwo arbeiten, wo das ein Problem ist. Aber es gibt sicher welche, die dort arbeiten wollen oder den Job als wichtiger erachten. Aber mir wäre es das nicht wert.
prisma: Gibt es Gründe dafür, dass sich manche nicht outen wollen? Haben sie Angst vor negativen Reaktionen?
Roy: Ich glaube es. Schliesslich ist das Umfeld an der HSG in dieser Beziehung extrem konservativ. Ich weiss nicht, ob ihr unseren Namensstreit noch mitbekommen habt – „HSGay“ ist ja von ganz oben verboten worden. Teilweise machen sich die Leute aber auch selber ein Problem. Ich glaube nicht, dass es so schlimm ist, wie viele meinen. Aber sehr viele kommen hierher mit der Idee, in St. Gallen "dürfe" man nicht schwul sein oder ansonsten sei man ein Outsider, ein Outlaw.
prisma: Motiviert ihr eure Mitglieder, sich zu outen?
Roy: Nein, schliesslich ist das nicht unsere Aufgabe und ausserdem ein ausgesprochen heikler Bereich. Denn es ist ein ziemlicher Schritt. Es gibt Eltern, die effektiv jahrelang nicht mehr mit ihren Kindern reden. Insofern kann man diese Entscheidung niemandem abnehmen; jeder muss selber wissen, wie er seine Eltern, seine Familie, seine Freunde einschätzt; ob er es ihnen sagen will oder nicht.
prisma: Wie empfindet ihr persönlich die Stimmung an der HSG gegenüber Schwulen und Lesben? Fühlt ihr euch manchmal diskriminiert?
Roman: Ich persönlich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Was man allerdings berücksichtigen muss, ist die Tatsache, dass Menschen, die kein Problem damit haben, nichts sagen, diejenigen, die positiv dazu eingestellt sind, ihre Meinung kundtun, jene aber, die Schwierigkeiten damit haben, hinter deinem Rücken über dich reden. Das heisst, dass du es wahrscheinlich gar nicht wahrnimmst. Ab und zu gibt’s aber auch blöde Emails.
Roy: Höchst selten. Manchmal böse Reaktionen, wenn jemand aus Versehen auf den Unigay-Verteiler gekommen ist und eine Einladung erhält, die er gar nicht möchte. Es ist auch jedes Mal ein Drama, ob man die Adressen ganz normal in die Adressleiste eingibt oder die Mails blindcopy verschickt, was viele bevorzugen würden.
prisma: Auch innerhalb von Unigay?
Roy: Ja. Vor allem wenn es um Assistenten und Dozenten geht.
prisma: Wie viele von euren Mitgliedern sind geoutet?
Roy: Das kommt darauf an, auf welcher Ebene. Ab wann ist jemand geoutet? Muss jede hinterletzte Tante und Grossmutter es wissen, oder nur die Eltern, oder die Freunde?
prisma: Sagen wir mal, wenn es Freunde von der HSG wissen.
Roy: Dann wäre ich nicht geoutet. Bei mir wissen es an der Uni (bis jetzt...) nur wenige, dafür sonst überall. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich nie an der Uni bin…
prisma: Du machst aber kein Geheimnis daraus?
Roy: Nein, eigentlich nicht. Obwohl viele nicht über mich Bescheid wissen, vor allem Leute, die ich vom Militär her kenne. Da war das eben kein Thema, über das man spricht.
prisma: Wann und wie hattet ihr euer Coming Out?
Roman: Naja. Roy bezeichnete mich einmal als Turboschwulen. Ich habe es lange verdrängt. Erst vor etwa einem Jahr habe ich es akzeptiert. Trotzdem renne ich nicht gerade mit der Rainbow-Flag herum, aber ich mache auch kein Geheimnis daraus. Das ist viel einfacher, als ein Doppelleben zu führen. Und schliesslich ist es ja auch nicht derart weltbewegend.
prisma: Was hat sich denn seit deinem Outing für dich geändert?
Roman: Ich bin viel ausgeglichener. Weil jetzt einfach alles stimmt. Mit 17 war ich den USA, im tiefsten Süden von Texas. Dort war ich sehr glücklich, weil du dein Leben wirklich nach einem Schema führen kannst: Du weisst, wie du Frauen behandeln sollst, wie du Beziehungen zu führen hast, du weisst, wie du dich in der Gesellschaft verhalten musst… So war es sehr einfach zu überspielen. Aber das war trotzdem nicht wirklich ich.
prisma: Wie hast du denn gemerkt, dass du schwul bist? Hattest du ein Schlüsselerlebnis?
Roman: (lacht) Das ist eine typische "Heti-Frage"
Roy: Schwul ist man oder eben nicht. Die Frage ist nur, wann, wie und ob man es sich eingesteht und akzeptiert. Dieser Prozess verläuft bei jedem / jeder sehr individuell.
prisma: Hattet ihr vorher schon eine Freundin?
Roman: Ja. Aber mental hat es bei mir mit Frauen nie geklappt, es blieb bei sehr engen und amüsanten Freundschaften. Körperlich – lieber eine BWL-Arbeit schreiben.
Roy: Eine Freundin im eigentlichen Sinne hatte ich nicht. Ich habe es nie wirklich verdrängt, es war mir irgendwie immer schon bewusst. Aber ich habe es versteckt. Ich wollte nicht, dass es irgendjemand merkt. Das Problem war für mich weniger das Selbst-Akzeptieren, sondern das schrittweise Nach-Aussen-Treten. Genau das aber macht einen stärker. Bei Präsentationen macht es dir nichts mehr aus, vor 50 oder 100 Leuten aufzutreten – wenn du deinen Eltern gesagt hast, dass du schwul bist, lässt es dich auch kalt, vor Publikum eine BWL-Arbeit zu vertreten. Dieser Aspekt könnte durchaus für eine Karriere nützlich sein: Schwule haben oft einen weiteren Horizont, mussten sich mehr überlegen, was sie in ihrem Leben überhaupt wollen. Ich will nicht behaupten, dass man als Schwuler unbedingt standhafter ist, aber man lernt in einem gewissen Sinne schon zu kämpfen.
Roman: In beruflicher Hinsicht kann man wirklich davon profitieren: Du hast andere Erfahrungen, einen anderen Approach, daher ist es schon eine Bereicherung, dass man bestimmte Dinge anders sieht oder anders angeht.
Roy: Ich denke, dass man sensibler wird. Irgendwie trainierst du dir einen Sensor an, du achtest stärker auf deine Umwelt. Ich habe schon das Gefühl, dass mir ab und zu auffällt, was andere noch nicht wahrgenommen haben. Dein Horizont wird grösser, und bis zu einem gewissen Grad lebst du in zwei Welten, auch nach dem Outing. Das lässt sich nicht abstreiten, und dieses Hin- und Herswitchen macht dich ziemlich flexibel.
prisma: Du hast gerade von zwei Welten gesprochen – habt ihr denn ein Doppelleben geführt?
Roman: Ich praktisch gar nicht.
Roy: Ich relativ lang. Also Doppelleben – gesagt, ich gehe in den Ausgang, aber nicht wohin. Insofern ist es vielleicht schon ein Doppelleben. Wenn man wirklich konsequent ein Doppelleben führen und verhindern will, dass es andere erfahren, braucht das enorm viel Energie. Es ist wirklich eine Erleichterung, wenn es die Leute wissen – du kannst endlich sagen, was du machst, mit wem du wohin gehst. Wenn du dazu stehst, ist das Leben viel einfacher. Du hast so viel mehr Energie für anderes übrig, dass ich denke, es lohnt sich auf jeden Fall – auch wenn es schmerzhaft sein kann, wenn man ehrlich ist. Es Leuten zu sagen, die man kaum kennt, ist kein Problem, aber Leuten, die man seit langem kennt – das ist schon nicht so einfach, besonders wenn es deine Familie ist.
Roman: Menschen, die dich gut kennen, brauchen einfach viel länger, um sich damit anfreunden zu können. Vor allem wenn sich nach Jahren herausstellt, dass ein wesentlicher Aspekt deiner Person ganz anders ist, als sie immer gemeint haben. Wie lange jemand braucht, hängt auch davon ab, ob er/sie schon Schwule kennt oder in der Familie hat.
prisma: Merkt ihr schnell, ob jemand schwul ist?
Roy + Roman: (lachen) Gaydar! (Insiderkürzel für „Gay-Radar“, A.d.R.)
Roy: Manche sind mehr, andere sind weniger sensibel, aber alle Schwulen haben ein bisschen Gaydar. Als ich das letzte Mal im Oxa war, brauchte ich genau 2 Minuten, bis ich jemanden gefunden hatte...
prisma: Gibt es denn keine Missverständnisse?
Roy: Selten. Du siehst ihm in die Augen, und achtest darauf, wie er zurückschaut.
Roman: Es ist einfach die Sekunde länger.
Roy: Genau. Die Sekunde zu lang in die Augen schauen. Man kann sich aber natürlich auch täuschen, immerhin gibt es auch Heteros, die gerne in den schwulen Ausgang gehen. Manche finden schwule Clubs einfach von der Atmosphäre her angenehmer, die Parties stimmungsvoller; es kommen auch viele Frauen, die dann keine Angst haben müssen, blöd angemacht zu werden. Und wenn ich dann also mal einen Heti anspreche, so sieht er das für gewöhnlich als Kompliment, und wir schmunzeln gemeinsam darüber.
prisma: Stimmt das Klischee, dass Schwule zu kreativen Berufen Neigen?
Roy: Dieses Klischee stimmt nicht. Ich habe z.B. C-Matura, war immer gut in Mathematik und Statistik und habe Finance als Vertiefungsrichtung. Sicher gibt es einige Berufe, die von Schwulen bevorzugt werden…
Roman: Aber das ist hochgradig individuell. Man kann ja auch nicht sagen: „Blonde Menschen sind eher in diesem Bereich tätig.“ Vielleicht, wenn der EQ eine ausgeprägte Rolle spielt. Aber auch nicht wirklich auffallend.
Roy: Freunde von mir haben nach ihrem Abschluss mit den klassischen HSG-Karrieren: Consulting, Banking, Versicherungen begonnen…
Roman: Bei der UBS gibt es sogar Gay-Chats und eine Gay-Community.
prisma: Aber es gibt doch Klischeeberufe wie Werbeagenturen, Flight Attendant…
Roy: Stimmt schon, aber man wird mit einem lic.oec HSG ja kaum Frisör oder Flight Attendant
prisma: Steht in eurem Lebenslauf, dass ihr Vorstand von Unigay seid?
Roy: Nein, steht nicht drin. Ich habe es mir überlegt, aber das Problem ist halt, dass sich jeder einen Stereotypen im Kopf bildet. Es ist okay, wenn ich Roy bin, der schwul ist, aber es ist nicht in Ordnung, wenn ich der Schwule bin, der Roy heisst. Wenn du es also in den Lebenslauf schreibst, bevor du dich vorgestellt hast, gehst du ein hohes Risiko der Schubladisierung ein – du weisst ja nicht, wer den Lebenslauf liest, ob er sich dann jemanden mit Handtäschchen und Muff vorstellt. Ausserdem habe ich keinen Platz im Lebenslauf – ich habe meine Seite schon voll…(lacht)
prisma: Wie viele Frauen sind denn bei Unigay?
Roy: Aktiv nimmt momentan zu unserem Bedauern niemand an den Anlässen teil. Ich weiss nicht, warum. Die vorletzte Präsidentin ist unsere einzige über länger Zeit hinweg aktive Frau gewesen. St. Gallen hat allgemein einen geringen Frauenanteil, und Lesben anscheinend noch weniger.
prisma: Was unterscheidet denn die Schwulen-Community von der Lesben-Community?
Roy: Ich weiss ehrlich gesagt wenig über die lesbische Community. Man lebt sehr separiert. Sie gehen an anderen Orten in den Ausgang: Sie haben ihre Clubs, wir die unseren. Man tritt bei Anlässen wie Christopher-Street-Day in Zürich oder bei der Abstimmung über das Partnerschaftsgesetz natürlich zusammen auf. Man hat durchaus Sympathien für einander, aber es gibt relativ wenige Kontakte, was eigentlich schade ist.
prisma: Ist die Schweiz fortschrittlich oder eher Entwicklungsland hinsichtlich Homosexualität?
Roy: Die Bevölkerung ist sicher fortschrittlich; Auf Bundesebene sind wir mal wieder Entwicklungsland: Es gibt immer noch kein Bundesgesetz, aber es ist immerhin etwas in der Pipeline. Skandinavien, Holland und weitere Länder kennen z.T. sehr umfassende Gesetze schon seit Jahren. Auf kantonaler Ebene gibt es einige Regelungen, in Zürich und Genf zum Beispiel.
prisma: Was hältst Du von der Debatte, ob homosexuelle Pärchen Kinder adoptieren dürfen?
Roy: Natürlich fände ich es gut, wenn man könnte. Je mehr Rechte wir bekommen, desto besser. Ich kann aber - momentan - einigermassen damit leben, dass es in der Schweiz noch nicht erlaubt werden soll. Homosexualität ist noch nicht von allen in diesem Land akzeptiert. Die Kinder müssen aber später zur Schule, wo sie heute vermutlich noch gehänselt würden wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Eltern. Auf der anderen Seite kann aber nur zur Normalität werden, was im Alltag vorgelebt wird. Wenn die Angst überhand nimmt, wird sich nie etwas ändern. Ich bin ja selber Schweizer, und das anstehende Gesetz ist wohl ein typischer Schweizer Kompromiss. In der Schweiz braucht eben alles ein bisschen länger, damit muss man leben können. Ausserdem ist der staatliche Nachvollzug für mich auch weniger wichtig als die Akzeptanz in der Bevölkerung, die glücklicherweise weitgehend vorhanden ist.
prisma: Vielen Dank für das Gespräch.
5. Juni: Abstimmung zum Partnerschaftsgesetz
Am 5. Juni wird über das Bundesgesetz über die registrierte Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare abgestimmt. Es geht dabei um die Schaffung eines nationalen Personenstandes "in eingetragener Partnerschaft" welcher eheähnliche Züge aufweist und gleichgeschlechtlichen Paaren offen steht.
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Fakten
Damit sollen Rechte und Pflichten von gleichgeschlechtlichen Paaren gesetzlich geregelt und diese Lebensform offiziell anerkannt werden. Konkret geht es um:
- Gegenseitige Unterhaltspflicht (Art. 14)
- Gemeinsame Wohnung (Art. 15)
- Vermögensrechtliche Regelungen (Art. 19ff.)
- Erbrecht analog zur Ehe (Art. 26)
- Sozialversicherungen und Pensionskasse (Art. 27)
Explizit verboten bleibt weiterhin die Adoption (Art. 28). Jedoch ist eine Unterstützungspflicht für Kinder des Partners aus früherer Ehe vorgesehen (Art. 29).
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Mehr Informationen
Veranstaltungen.pdf
Standaktion.pdf
www.partnerschaft-ja.ch

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